erstellt am 22. Juni 2010 in teevee | 2 Kommentare

THE WIRE von HBO

The Wire ist eine U.S. amerikanische TV-Serie die über die Länge von 5 Staffeln produziert und von 2002 bis 2008 im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Durch einen Zufall bin ich auf IMdb auf die Serie aufmerksam geworden und war erstaunt über die durchweg positiven Kritiken. Das hat mich motiviert, noch ein wenig mehr zu recherchieren und „schwuppdiwupp“  prasselten die Nominierungen und Auszeichnungen dieser Serie nur so auf meinen Bildschirm nieder. In kürzester Zeit war ich davon überzeugt, dass die Serie meinen Geschmack treffen könnte, nicht nur aufgrund der extrem guten Kritiken, sondern vor allem auch wegen des interessanten Themas.

Der Titel der Serie bezieht sich auf die Polizeitaktik des Abhörens von Verdächtigen und auf die komplexen Beziehungen zwischen Polizei, Politik, Kriminalität und Öffentlichkeit.

Wikipedia (de)

The Wire spielt in Baltimore, Maryland und wurde auch dort produziert. Eigentlich spielt die Serie vielmehr in den sozialen Brennpunkten (u.a. dem Hafenviertel) von Baltimore, die durch verfallene Bauten, Armut und  Drogenhandel geprägt sind. Die zuständige Polizei hat ein großes Problem mit der Bekämpfung dieser organsierten Netze von Drogendealern und vor allem deren Hintermänner, welche Minderjährige vorschicken, um die Drogen zu verkaufen.

Die Ermittler

Das Ermittlerteam der Polizei – Image via Wikipedia

The Wire ist besonders deswegen interessant, weil dieser Polizeialltag auch zunächst sehr monoton dargestellt wird. Keine wilden Verfolgungsjagden, keine Schießereien mit Maschinenengewehren und vermeintlichen Rambos, keine Superheldenstories à la 24. Vielmehr werden die Papierkämpfe, interne Probleme aber auch die Problematik der Politik und Öffentlichkeit in den Vordergrund gerückt. Stark inszeniert wird so die Ohnmacht der Polizei verdeutlicht, deren Alltag von der stetigen Suche nach hieb- und stichfesten Beweisen gegen das organisierte Verbrechen geprägt ist. Das Abhören von Telefonaten und das Dekodieren von gesprochenen Wortfetzen bestimmt die Arbeit der Beamten und wird stets von politischen Einflüssen gebremst. Alles wirkt wie ein großes Schachspiel, bei dem man nur darauf wartet, dass einer den ersten Fehler macht. Was für einige zunächst als schleppender Einstieg in die Serie wahrgenommen wird, ist für andere eine perfekte Einführung in eine zwar ganz alltägliche Story, jedoch nicht ganz so alltägliche Fernsehserie.

Die Barksdale Crew – eine der Gangs aus dem Milieu – Image via Wikipedia

Besonders spannend und komplex wird die Erzählung dann, wenn man immer mehr von den Motiven der Gegenspieler sowie deren Hintermänner erfährt. Die Neutralität dieser Erzählungen und die enorm detaillierte Schilderung der Motivationen sowie Handlungsoptionen einzelner Personen und die konsequente Verweigerung von Schwarzweißmalerei ist sicherlich auch ein wesentlicher Aspekt, weshalb die Serie so gut rezipiert wird. Denn die verschiedenen Handlungsstränge erfordern ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, um die Verwicklungen und Konstellationen nachvollziehen zu können. Und ganz klar ist auch, dass die lange Einführung dazu führt, dass verschiedene kleine Teile der Story und verschiedene Personen erst später in einem Hauptstrang verbunden werden. Hier kann man auch einige Zuschauer verlieren, denn das erfordert zunächst etwas Geduld, zahlt sich dann jedoch umso mehr aus. Denn wenn man in der Lage ist, in den einzelnen Stories ein großes gemeinsames Netz zu sehen, entfaltet sich das gesamte Potenzial dieser Serie. Besonders deutlich wird dann auch der politische und soziale Einschlag sowie die kritische Positionierung gegenüber dem vorherrschenden System.

Die Serie im Original zu schauen, wirkt auf mich noch authentischer (ich bin leider noch nicht durch, sondern erst beim Ende der dritten Staffel). Da vor allem im Gangster-Milieu auch ein anderer Umgangston als im Büro des Bürgermeisters angeschlagen wird. Zumindest meistens. Die Polizeieinheit unterscheidet sich auf sprachlicher, kommunikativer Ebene gar noch weniger vom Dealerring. Aber genau dieser Mix, welcher sich allein durch die Individuen voneinander abgrenzt, lässt The Wire zu einem spannenden aber oftmals auch amüsanten und in jedem Fall nachhaltigen Serienerlebnis werden. Ich freu mich schon auf die vierte Staffel, wenn besonders die Presse mehr involviert wird. Bis dahin gibt’s erstmal einen kurzen Blick hinter die Kulissen.

Street Talk — Ein Blick hinter die Kulissen der Serie