erstellt am 9. Mai 2012 in general, web | kommentieren

Jetzt ist die nunmehr sechste Re:publica schon fast eine Woche vorbei und ich habe es immer noch nicht geschafft, meine Eindrücke festzuhalten. Darum geht’s jetzt mit Vollgas voran. Die diesjährige Konferenz der Netzgemeinde stand unter dem Motto Act!on und thematisierte unter anderem die Schubkraft sozialer Medien für politische Bewegungen. Was mir persönlich besonders entgegen kam. Man hat schnell gemerkt, dass aus einem Bloggertreffen mehr geworden ist. Alles ist größer und irgendwie auch ein bisschen erwachsener geworden.

Die Location

Ich glaube ein wesentlicher Punkt, weshalb die Re:publica diesmal so ein Erfolg war, ist sicherlich die Wahl der neuen Location gewesen. Diesmal traf man sich in der STATION-Berlin am Gleisdreieck. Ich kam in die Halle rein und erblickte erstmal eine große Fläche, in der sich viele Leute tummelten, dennoch nicht drängten. Selbst in den Pausen kam nie das Gefühl auf, dass es zu voll wäre. Im Gegenteil, das zentrale Foyer samt Hof haben jedem ausreichend Platz geboten. Abends ging es dann mit Freibier auf den Open Space – sehr nett.

re:publica 2012

by re:publica 2012 – http://flic.kr/p/bUtQfq

Zum Vergleich hier mal ein kleiner Eindruck, wie es 2011 aussah, als man beispielsweise in die Kalkscheune wollte.

Kalkscheune, wer will noch rein? #rp11 – http://twitpic.com/4kq3it

Die Sessions

Ehrlich gesagt habe ich dieses Jahr nicht so viel Sessions mitgenommen, wie ich eigentlich wollte. Was aber nicht’s macht, denn der Grund dafür waren oft sehr interessante Gespräche mit den Leuten, die ich treffen konnte. Unvergesslich bleibt die Themenolympiade bzw. der Wortmarathon mit @jiutha <3.

Dennoch kann ich sagen, dass die Qualität der Vorträge auch in diesem Jahr wieder durchwachsen und oftmals auf ein breites Publikum ausgelegt war. Das kann man auch hier und da nachlesen und ich denke, dass das auch viel Gutes hat, denn der aus den Vorträgen resultierende Gesprächsbedarf hat sich sehr positiv auf die Gesamtstimmung an den Abenden ausgewirkt. So gab es eigentlich immer Dinge die man vertiefend und ausgiebig diskutieren konnte und die letzte Session länger dauerte 😉

https://twitter.com/#!/ohrenflimmern/status/198148109757464578

Meine persönlichen Highlights waren genau zwei Sessions. Zum einen Resisting the Surveillance State and its network effects mit Jacob Applebaum und Dmytri Kleiner und zum anderen der Vortrag von Mercedes Bunz mit dem, wie ich finde, großartigen Titel »Organisation­3000: Algorithmen oder Geld?«. Beide fanden auf Stage 1 statt und während die Session von Jacob und Dmytri verhältnismäßig wenig Leute anlockte – was mich ehrlich gesagt ein bisschen verwundert hat – war die Halle beim Vortrag von der sehr sympathischen Mercedes Bunz erwartungsgemäß sehr voll.

Spannend und informativ fand ich auch die Session von Fadi Salem und Zynep Tufecki »Social Media and the Arab Uprisings: Some Answers; More Questions«, die sich in ihren Forschungen dezidiert der Rolle von Social Media im arabischen Raum gewidmet und einige Ergebnisse vorgestellt haben.

Oft hörte ich auch, dass die Session mit dem @Regsprecher ja auch sehr beeindruckend und zugleich unterhaltsam gewesen sein soll. Unterhaltsam fand ich sie auch, aber mehr nicht. Er glänzte durch äußerst professionelles und für mein Dafürhalten aalglattes Auftreten. Was sicherlich notwendig und in diesem Rahmen auch überzeugend ist, jedoch fand ich es alles irgendwie schon fast zu flauschig. Das kann sicherlich auch an den Fragen der Moderation/Gesprächspartnerin gelegen haben.

Und sonst so?

Auch in diesem Jahr gab es wieder nette und kreative Gimmicks, neben der Livetranskription einiger Talks und #tweetscapes bleibt mir besonders die analoge Twitterwand in Erinnerung.

re:publica 2012 - Twitter Timeline goes print

re:publica 2012 – Twitter Timeline goes print – taken by @WolfBruening

Das mit dem WLAN hat dann wieder nicht so gut geklappt, aber das ist in Anbetracht des Gesamterlebnisses auch kein größeres Problem gewesen – zumindest für mich nicht.

Die Tage in Berlin waren mal wieder großartig und ich denke, das ist nicht zuletzt auch den Leuten zu verdanken, die die Re:publica zu dem machen, was ist sie. Was auch immer sie genau ist. Ich glaube, ich komme gerne wieder!