erstellt am 12. Dezember 2013 in film | kommentieren

Es ist schon länger her, als ich an einem Abend den Fernseher angeschaltet habe, mich eigentlich nur noch 10 Minuten beschallen lassen wollte und dann bei der Doku Smiling in a War Zone hängen geblieben bin. »Smiling in a War Zone« oder auch »50 Stunden bis Kabul«, beschreibt die Reise der dänischen Künstlerin  von Kopenhagen nach Kabul. Veröffentlicht wurde die Dokumentation 2006. Die Handlung findet im Zeitraum  September bis Dezember 2002 statt. Einen Trailer in geringer Qualität gibt es hier.

Der Grund für die Reise ist die 16-jährige Farial aus Afghanistan. Sie möchte Pilotin werden. Kærn erfährt von dem Mädchen aus einem dänischen Zeitungsbericht und entschließt sich nach Kabul zu reisen, aber nicht auf die klassische Weise, wie man es jetzt annehmen würde: In den Zug steigen, zum Flughafen fahren und dann mal ‚rüber nach Kabul fliegen. Nein, Kærn kauft ein kleines Flugzeug und beschließt, mit ihrem Kameramann im Gepäck, selbst nach Kabul zu fliegen, um Farial dann auch einmal fliegen zu lassen. Ist auch kein Problem, denn Kærn hat günstigerweise auch eine Pilotenlizenz. Alleine diese Umstände verleihen der Dokumentation eine ganz individuelle Qualität.

Das Flugzeug, eine Piper Colt aus dem Jahr 1961, ist nun auch nicht gerade die beste Grundlage für eine solche Unternehmung. Ebenso herausfordernd sind die restlichen Bedingungen unter welchen die Pilotin und ihr Kameramann die Reise unternehmen. Diverse Flugverbotszonen, die Überwachung des Luftraums über Afghanistan und kriegerische Handlungen am Zielort. Ganz zu schweigen von den kulturellen Hürden, die thematisiert werden. Und dabei geht es nicht nur um die Rolle der Frau als Pilotin, sondern um grundlegende Fragen zu Bildungschancen und dem was Individualität und Freiheit überhaupt bedeutet. Kern der Dokumentation bleibt  jedoch immer die Pilotin im Spannungsverhältnis von Tradition und Moderne. Dafür gewann der Film  im April 2006 dann auch den Preis „best portrays women in leadership“ beim Full Frame Documentary Film Festival.

Während ich die Doku sah, schwankte ich zwischen großer Skepsis und euphorischer Bewunderung. Ob das daran liegt, dass sich die Protagonisten von einer Grenzerfahrung zur nächsten hangeln, oder ich nur auf den Moment gewartet habe, dass das Flugzeug den Geist aufgibt und die Dokumentation einen mit der kalten Realität konfrontiert, ich weiß es nicht. Die (Selbst-)Inszenierung ist auf jeden Fall gelungen. Abseits der sehr offensichtlichen soziokulturellen Probleme kann man die Nachhaltigkeit dieser Unternehmung vermutlich auch nur dann fassen, wenn man den ursprünglichen Traum des Menschen vom Fliegen vor die kulturellen Herausforderungen stellt. Territoriale Grenzen lassen sich zwar mit Funkstille und einer Propellermaschine überwinden, kulturelle jedoch nicht. Zumindest ist das schwerer als Fliegen.