erstellt am 31. Dezember 2018 in research | kommentieren

Ende letzter Woche Vor einigen Wochen bin ich auf der Information & Media Literacy-Konferenz 2018 in Passau gewesen. Dort habe im Rahmen des Panels Bildung und Digitalsierung über die Komplexität von Bildung in einer digitalen Welt gesprochen. Mit mir im Panel war Andreas Spengler aus Passau, der eine sehr interessante Perspektive auf Bildung und Kritik aufgemacht hat und in vielschichtiger Form auf die Herausfoderungen von Bildung im Horizont des Digitalen hingewiesen hat. Leider war das Panel, in dem Jens Holze über digitale Medialität und McLuhan gesprochen hat, zeitgleich, sodass ich diesen Input nicht mitnehmen konnte. Allerdings kenne ich seine Arbeit ja und habe mir schon im Vorfeld einen Eindruck verschafft.

Die Keynotes

Auf der Tagung gab es drei Keynotes und selten habe ich so gut auf das gesamte Tagungsprogramm abgestimmte Keynotes erlebt.

Die erste kam von Andrew Whitworth, der in sehr unterhaltsamer Form auf Information, Geschichten und die Frage nach der Perspektivsetzung eingenommen hat. Unter dem Titel »Information, Difference and Power: Who Writes Our Landscapes?« blieb mir nicht nur der vom Referenten aufgemachte Bezug zu HAL oder sein eigentümliches Wohnhaus mit unterschiedlichen Etagen vorne und hinten in Erinnerung, sondern die tieferliegende Frage, was man mit Menschen macht, die nicht bereit sind, eine andere Perspektive einnehmen zu wollen? Antworten auf diese Frage findet man wohl kaum, durch die Fokussierung auf eine Vermittlung technischer Kompetenzen. Es scheint mir vielmehr eine Herausforderung im Umgang mit Menschen zu sein, der sich grundlegend durch mediale und vermittelte Kommunikation geprägt darstellt.

Die zweite Keynote von Sarah Gretter beschäftigte sich mit der Frage nach Fake News und der Konstruktion von individueller Wirklichkeit. Dabei hat sie aus einer Metaperspektive aufgezeigt, wie sich die Digitalisierung bereits in die Lebenswelt eingeschrieben hat.

Im Vortrag sprach sich Sarah mehrfach für eine komplexe Betrachtung von Medienkompetenz aus. Dabei hat sie gekonnt mit zugespitzten Gegenüberstellungen gespielt. Das ist gar nicht so einfach, wenn man genauer drüber nachdenkt und deshalb umso erfrischender gewesen.

Am Samstag hat Benjamin Jörissen »TOP 3 DIY educational theory hacks THAT REALLY WORK!« vorgestellt. Wer sich mit seinen Arbeiten beschäftigt, weiß, dass die Auseinandersetzungen stets sehr komplex und mit vielfältigen Verweisen aufgebaut sind, die gerne auch eine provokante Note haben. Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich nicht zuletzt aufgrund der intensiven Auseinandersetzung im FPV Bereich an YouTube oder Clickbaiting allgemein. Der Beitrag war sehr bereichernd und hat frischen Wind in den Tagungsverlauf gebracht.

Die Organisation

Ein sehr ambitioniertes und professionelles Team von NachwuchswissenschaftlerInnen war für die Organisation verantwortlich, das wurde in den Grußworten seitens des Dekans sowie des Fachbereichleiters deutlich und anerkennend erwähnt. Allein dieser Umstand ist nennenswert, da das keineswegs üblich ist und ich schon Veranstaltungen erlebt habe, in denen die etablierten Wissenschaftler, die sich für die Organisation mitverantwortlich zeichneten 5 Minuten vor Veranstaltungsbeginn unvorbereitet erschienen sind. Daher ist dieser subjektive Eindruck hier für mich besonders einprägsam gewesen und die Organisation der Veranstaltung sowie die Gestaltung des Rahmenprogramms war wirklich herausragend. Von der ersten Minute, bis hin zum letzten Glas beim informellen Get-Together war die gesamte Veranstaltung von positiver Stimmung und klarer Struktur geprägt. Ohne eine solch gute Organisation hätte man die inhaltlichen Eindrücke sicher auch nicht so gut transportieren können. Übrigens waren die Themen der Einreichungen und die Keynotes auch super aufeinander abgestimmt. Auch sowas hat man selten. Chapeu! Das macht in meinen Augen schon viel aus, wenn eben alles passt.