Eine kleine Sammlung nützlicher Tools

Was braucht es eigentlich, um ein Internetprojekt zu erstellen? Die Antwort auf so eine Frage hängt natürlich davon ab, was man unter einem Internetprojekt versteht. Ein Blog? Dafür gibt es unzählige Dienste im Netz. Ein Portfolio? Auch das kann man an vielen Orten erstellen. Eine berufliche Visitenkarte? Gibt es auch Dienste für. Ein eigenes Konzept visualisieren, inhaltlich bearbeiten und dann publizieren? Da kann man auch auf (kommerzielle) Angebote zurückgreifen. Man könnte zum Beispiel Facebook vollschreiben. Man kann es aber auch selber machen und damit meine ich die strukturelle Umsetzung. Besonders dann, wenn wir merken, dass Code und Software unseren Alltag in einer ganz bestimmten Weise beeinflussen und diese Einflussnahme zudem auch stärker in kultur- und sozialwissenschaftlichen Diskursen identifiziert wird, scheint es nicht nur möglich, sondern auch notwendig, sich mit diesen Strukturen genauer zu befassen und Technologien zu hinterfragen. Insbesondere im Studiengang Medienbildung, der nun schon mehr als 10 Jahre an der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg angeboten wird, können auch mediale Produkte als Leistungserbringung geltend gemacht werden. Neben Filmen, Podcasts und Videogame-Essays können also auch Internetprojekte erstellt werden. Die Idee folgt dem Paradigma der Performative Social Science. Was das ist und wie das mit der Ausprägung von Skills zusammenhängt, wird hier schön erklärt. Die Ergebnisse sind oft überzeugend und nicht selten sehr spannend. Der Sinn von solchen Medienprojekten besteht im Grunde darin, über die Grenzen der schriftlichen Hausarbeit hinaus und in Symbiose mit den uns umgebenden Medienstrukturen zu arbeiten, um komplexe wissenschaftliche und gesellschaftliche Problemfelder zu beschreiben und diese im wissenschaftlichen Rahmen zu analysieren. Man arbeitet also direkt mit den Medien und digitalen vernetzten Technologien selbst, um eine Fragestellung zu bearbeiten. Woraus sich eine gewisse performative Qualität ergibt. Gerade bei Internetprojekten sollte man doch meinen, dass es doch im Netz so viele Anlaufstellen gibt, um sich zu informieren und sich dann auch in einzelne Gebiete selbst einzuarbeiten. Doch was ist, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht? Wenn die Selektion und Beurteilung von Informationen durch unheimlich viele Faktoren beeinflusst wird? Dann ist es oftmals hilfreich, wenn man sich eine Art Repertoire schafft, zum Beispiel mit all den Dingen, die an einem im sozialen Netz vorbei fliegen, um sie später sinnvoll einzusetzen. Das erfordert ein gewisses Maß an Organisation, die Kenntnis der jeweils richtigen Werkzeuge und sowas kommt nicht einfach so. Habe ich selbst lernen müssen. Es gibt im Netz zahlreiche Sammlungen der Top-Tools für jeden erdenklichen Zweck, oft in Form von Listicles oder auch manchmal in Form von geteilten Spreadsheets oder Dokumenten. Die gibt es nicht, weil es einfach so schön ist, alles aufzulisten, sondern weil sie eine Sammelstelle bilden und meist bei der Orientierung helfen sollen (ich klammere hier mal Artikel wie die „10 besten Foodpics der letzten Woche“ aus). Jetzt könnte man einfach auf einen dieser „Die 400 besten Tools für das Internet“-Artikel verlinken, aber das wäre dann doch nicht ganz fair. Deshalb schien es für mich ganz sinnvoll, mal die Tools festzuhalten, mit denen ich in den letzten Jahren mehr oder weniger Kontakt hatte und die mir irgendwie aufgefallen sind. Werkzeuge, Dienste und Plugins, die mir bei der Arbeit an und mit Internetprojekten geholfen haben und die ich jedem gerne ans Herz legen möchte, denn gerade mit Code und Software kann man unter Einsatz nur sehr weniger ökonomischer Ressourcen sehr schnell zu einem hervorragenden Ergebnis kommen. Hier gibt es also eine weitere Sammlung von nützlichen Tools, Diensten und möglicherweise inspirativen oder hilfreichen Anlaufstellen, rund um Fragen zur Erstellung und Gestaltung von Internetseiten. Die Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie soll eher einen exemplarischen Überblick geben und ist bisher auch sehr subjektiv gefärbt. Im Laufe der Recherche nach Werkzeugen für die einzelnen Kategorien habe ich auch einige Dienste in die Liste aufgenommen, die ich nicht exzessiv getestet und erprobt habe. Gerade bei den Frameworks gibt es einige HTML Frameworks, die ich noch nicht genutzt habe, von denen ich aber durch Bekannte und Freunde weiß, dass sie diese erfolgreich eingesetzt haben. Auch die Editoren sind so ein Punkt. Ich selbst arbeite heute eigentlich fast nur noch mit Sublime Text, manchmal noch mit PHPStorm. Notepad++ habe ich vor einigen Jahren oft und gerne eingesetzt. Coldmirror habe ich ungefähr einen Tag mal genutzt. Gefiel mir dann nicht so. Emacs musste durfte ich im Studium selbst kennen lernen. Es war mir eine Freude. Als ich dann geblickt habe, wie mächtig Emacs eigentlich ist, waren die zwei Semester vorbei. Was man nimmt ist oftmals dann einfach auch eine Frage der persönlichen Präferenz, beziehungsweise die Entscheidung, ob man sich in eine komplexe Entwicklungsumgebung rein denken möchte (und vor allem die Ressourcen aufbringen kann) oder man einfach seine Dinge erledigt bekommen möchte und das bestenfalls schnell und schmerzfrei. Wie dem auch sei, was man nicht kennt, kann man nicht ausprobieren. Natürlich kann diese individuelle Sammlung gerne über die Google Kommentarfunktion oder andere Wege ergänzt werden. Sharing is caring. tl;dr Eine weitere kleine Sammlung nützlicher Links für Webdesign und -Entwicklung liegt hier als Google Spreadsheet bereit.

Ein guter Feed Reader und die Lebensdauer von Social Services

Lange habe ich damals gesucht, bis ich einen schönen und bequemen Feed Reader gefunden habe. Mein Favorit war der Google Reader. Einfach, übersichtlich und schnell. Nachdem heute bekannt gegeben wurde, dass der Dienst eingestellt wird. Am 1. Juli ist Schicht im Schacht. Man kann seine Daten/Feeds hier exportieren. Stellt sich nun erneut die Frage nach einer bequemen und überzeugenden Lösung.

Auf Lifehacker gibt es einige Empfehlungen und dort werden zwei Möglichkeiten vorgestellt. Entweder eine Weblösung oder eine Desktopanwendung. Meine Situation ist die, dass ich auf verschiedenen Geräten mit unterschiedlichen Betriebssystemen lese. Weshalb ein Desktop Reader für mich also nur bedingt Sinn macht. Außerdem konnte ich mich noch nie damit anfreunden, selbst nicht als ich vor mehreren Jahren Netvibes ausprobiert habe und dann recht schnell von der Lahmarschigkeit des Services trotz seiner nervigen AJAX-Effekte ziemlich bedient war.

Für unterwegs habe ich mir vor einiger Zeit die App Feeddler Pro geholt nachdem ich die freie Version einige Wochen ausprobiert habe und war bislang sehr zufrieden damit. Blöd nur, dass die App die Feeds aus dem Google Reader aggregiert. Glücklicherweise wird Feeddler Pro auch weiterhin bestehen bleiben.

Die Frage ist nur, ob es für den Leser einen Unterschied machen wird.

Zwischenzeitlich habe ich auch mal Feedly ausprobiert. Ein Super Tool, wenn es darum geht die neuen Inhalte zu erkunden. Feedly gefällt mir durch die vielen Anpassungsmöglichkeiten  – zumindest in Chrome – sehr gut. Dort hat man auch angekündigt, dass es einen nahtlosen Übergang und eine Alternativlösung geben wird, wenn der Google Reader eingestellt ist. Für Chrome und Firefox installiert man einfach eine App und für mobile Geräte ebenso. Alles App eben.

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An vielen Stellen kann man jetzt auch wieder Meinungen von empörten Leuten lesen, denen die Lebensdauer der Google Dienste zu gering ist und die nicht mit Googles Politik einverstanden sind, dass irgendwann mal ein Dienst, an den sie sich gewöhnt haben, ausgesondert wird. Aber das ist der Preis, den man zahlt, wenn man sich auf die Nutzung von Dienstleistungen einlässt. Die Entwicklung und Wartung von Software ist leider immer auch mit Kosten verbunden. Ich kenne nur all zu viele Beispiele, bei denen an veralteter Software festgehalten wird, weil man sich nicht traut, eine neue Ausrichtung zu wagen – manchmal auch dann nicht, wenn sogar die Wartungskosten in keinem Verhältnis mehr zum Profit/Nutzen stehen. Sowas ist gefährlich und Google zeigt, wie kein anderes Unternehmen, dass es sich ein sentimentales Festhalten an Produkten nicht leisten kann und will. Letzteres trifft wohl eher zu, schließlich hat man sich auch so schon nicht besonders liebevoll um den Google Reader gekümmert. Immer wieder wurden Dienste bei Google eingestellt. Manchmal hat man die Empörung darüber gehört, manchmal nicht. Beim Google Reader ist es wohl gerade auch besonders groß. Ich habe irgendwann mal eine Infographik zur Lebensdauer von Google Diensten gesehen, konnte sie jetzt aber nicht finden. Wenn die jemand findet, würde ich mich sehr über eine Nachricht freuen!

Wenn Google also einen Dienst einstellen will, dann ist das für mich in Ordnung, solange es klar kommuniziert wird und man Alternativen in Betracht ziehen kann. Was ich allerdings bedenklich finde, ist die Tatsache, dass RSS dadurch wieder ein bisschen mehr leidet. Schon vor einiger Zeit hat man bei Twitter die RSS-Feeds aus dem Interface genommen, weil man Schwerpunkte u.a. auf OAuth gesetzt hat. Da hat man dann gemerkt, dass eine solch extrem offene Plattform dann auch an technologische und infrastrukturelle Grenzen kommt. RSS Feeds sind dort zwar natürlich auch heute noch möglich, jedoch über Umwege. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel die hier:

https://api.twitter.com/1/statuses/user_timeline.rss?screen_name=NAME

Gemecker war trotzdem da, wohl hauptsächlich und verständlicherweise, weil es mehr oder weniger ohne Ankündigung entfernt wurde und die geneigten Tweeple nun nicht mehr ganz bequem auf einen Knopf drücken konnten, um ihre oder andere Tweets zu archivieren. Vermutlich ist meine skeptische Haltung über die Entwicklung von RSS aber auch nur eine sentimentale und anachronistische Denkweise.